St. Johann im Pongau

Wir gratulieren Prof. Portenkirchner zum Doktortitel

Dass wir mit Prof. Portenkirchner einen Lehrer an unserer Schule haben, der Bildung nicht nur weitergibt, sondern lebt, macht uns als Schule besonders stolz. Weitere wissenschaftliche Expertise bereichert unsere Schule enorm. Was der "frischgebackene" Doktor erforscht hat und wie es dazu gekommen ist, erfahrt ihr im Interview:


Wie wird man eigentlich Doktor oder Doktorin?

Hat man ein Magister- oder Masterstudium abgeschlossen, kann man sich an einer Universität mit Promotionsrecht einschreiben. Zuerst sollte ein Themengebiet gefunden werden, auf dem in der Forschung Lücken bestehen, denn die Doktorarbeit (Dissertation) muss neue fachliche Erkenntnisse liefern. Dann sucht man sich zwei habilitierte UniversitätsprofessorInnen als Betreuungspersonen. Im ersten Semester ist man damit beschäftigt, die Disposition zu verfassen. Das ist ein exaktes Konzept für die Doktorarbeit im Umfang von 20 bis 30 Seiten, das von beiden BetreuerInnen und vom Dekanat genehmigt werden muss. Erst dann kann man loslegen mit der eigentlichen Forschungsarbeit. Im Studium sind Lehrveranstaltungen (Wissenschaftstheorie, Forschungs- und Dissertantenseminare) zu absolvieren, in denen man immer wieder die eigenen Fortschritte diskutiert. Ist die Arbeit nach einigen Jahren fertiggestellt, wird sie von zwei Gutachtern benotet und man muss sich anschließend der etwa neunzigminütigen Verteidigung (Disputation) stellen.

Was wurde erforscht?

Meine Dissertation behandelt einen Teilaspekt der Gegenwartsliteratur, nämlich die Slam Poetry in Österreich. Bislang hat sich die Germanistik mit diesem Thema noch zu wenig beschäftigt. Ich untersuche, wie sich die sehr junge Performance-Literatur mit literaturwissenschaftlichen Methoden vor einem kulturtheoretischen Hintergrund einordnen und beschreiben lässt. Die Arbeit ist der erste umfassende Beitrag zu diesem Forschungsbereich aus der österreichischen Gegenwartsliteratur. 

Wie kann man sich solch eine Forschungsarbeit vorstellen (Labor, Experimente als Klischee)?
Wer in den Kultur- und Geisteswissenschaften promovieren möchte, muss sich auf sehr viel Zeit in Bibliotheken und Archiven gefasst machen. Je nachdem, wie die Forschungsfragen angelegt sind, spielen neben der Recherche einige andere Methoden eine Rolle: Für meine Arbeit war das Bilden eigener Theorien notwendig, ich musste Analysemethoden anwenden, Begriffe neu definieren, linguistische Modelle heranziehen, Vergleiche anstellen, Interviews führen und Interpretationen und Deutungen durchführen. Alle Ergebnisse sollen schließlich noch sprachlich einwandfrei und objektiv ausformuliert werden – auch dieser Schritt nimmt viel Zeit in Anspruch.

Was wurde herausgefunden?

Das lässt sich in dieser Kürze schwer zusammenfassen - wer es genau wissen will, kann es auf den etwa 350 Seiten gerne nachlesen. Grob gesagt wurden zuerst für die noch weitgehend am Anfang stehende Erforschung der Slam Poetry grundlegende Begriffsdefinitionen unternommen. Da es zu diesem Spezialgebiet kaum Theorien gab, war dieser Schritt notwendig. Und ich habe Antworten gefunden auf zentrale Fragen: Wie lässt sich Slam Poetry in die Gattungstheorie einordnen? Worin liegt die Innovationskraft der Slam Poetry? Ist diese Performanceliteratur eine neue Avantgarde? Welche Themen behandelt sie? Wie reagiert Slam Poetry auf das tagesaktuelle Geschehen? Welche Verbindungen gibt es zu anderen Künsten – vor allem zum Kabarett und zum Hip Hop? 

Transfer für die Schule?

Slam Poetry eignet sich aus naheliegenden Gründen hervorragend für die Deutsch- und Sprachdidaktik und sie wird auch gerne eingesetzt, um junge Menschen für die Literatur zu gewinnen. Jugendliche und junge Erwachsene bilden nicht zufällig den größten Teil des Publikums bei Poetry Slams – und sie nehmen an solchen Veranstaltungen mit Begeisterung teil. Allerdings ist meine Dissertation ein Beitrag zur Literaturwissenschaft, nicht zur Fachdidaktik.

Tipps für wissenschaftlich interessierte Schüler/innen

Erstens: Ehrliches und ungebrochenes Interesse. Wer nur aus Prestigegründen oder wegen der Berufsaussichten ein Studium wählt, könnte am Ende unglücklich werden. Immerhin muss man bereit sein, mehrere Lebensjahre für ein Fachgebiet zu investieren. Zweitens: Kritikfähigkeit. Für WissenschaftlerInnen gehört Kritik zum täglichen Geschäft. Wer das ständig persönlich nimmt und nicht als Chance begreift, besser werden zu können, hat es schwer. 
Wer Gefallen am wissenschaftlichen Vorgehen findet, ist am Gymnasium übrigens schon richtig. Hier wird man auf ein Studium bestmöglich vorbereitet, und ich sage das übrigens als Absolvent des Gymnasiums St. Johann.